Soulman mit großem Herz

Eine Sommernacht im Juni nördlich von Helsinki. Die Sonne wird erst spät und nur für kurze Zeit verschwinden. Der Soulverein spielt an diesem Abend ein Mitsingkonzert auf einer Gartenparty. Die finnischen Gäste, denen man nachsagt, sie kämen nur schwer aus sich heraus, singen inbrünstig mit. Mittendrin Volker Wallmeroth, vom Krebs gezeichnet, tanzend. Es ist seine Party, sein Wunsch noch einmal mit Freunden und Bekannten zur Musik des Soulvereins zu feiern - zu seiner Musik! Obwohl da längst klar ist: Die Krankheit wird siegen.
Knapp 15 Jahre vor diesem traurig-fröhlichen Abend unter finnischem Himmel hatte Volker uns, hatten wir ihn gefunden. Eine Bekannte unseres damaligen Saxophonisten Dedel - auch er leider schon vor Jahren dem Krebs erlegen - fragte, ob wir Platz für einen Trompeter hätten. Sie wüsste da jemanden. Hatten wir. Und so stand Volker eines Abends in unserem Proberaum, etwas schlaksig, warme Augen, mit besonnener Ruhe.
Er kam in unruhigen Zeiten für die Band, wofür Dedels beginnende Krankheit nur einer der Gründe war. Damals war nicht klar, ob der Soulverein, der damals noch gar nicht so hieß, überhaupt noch lange weitermachen würde. Dass die Band heute noch existiert und 2017 ihren 20. Geburtstag feiern wird, ist zu einem ganz großen Teil auch sein Verdienst. Volker konnte zuhören, Stimmungen erkennen und mit seinen klugen, ja manchmal fast schon weisen Worten manche Spannung beseitigen. Aber vor allem spielte er wunderbar Trompete und er liebte die Soulmusik und den Groove, so wie wir alle. Als die Band nach einem neuen Namen suchte, entstand der "Mülheimer Soulverein" - aus den Anfangsbuchstaben von Michael, Sabine und Volker. Das "M" ist längst verschwunden. Das "V" wird bleiben.
2007 verabschiedete sich Volker nach Finnland, um dort mit seiner Familie zu leben. Für uns anderen war es schwer, ihn ziehen zu lassen. Wir sind danach mehrfach nach Helsinki geflogen, um dort zuerst noch mit ihm gemeinsam, später dann für ihn zu musizieren. Aber vor allem auch, um Zeit mit ihm zu verbringen. Für uns war er jetzt Volkerii. Die Nachricht von seiner schweren Krankheit, war für uns ein Schock, den er selbst mit seiner Haltung zumindest ein wenig zu lindern vermochte.
Am 16. Juli 2016 starb Volker im Kreise seiner Familie. Wir sind unendlich traurig darüber, dass er nicht mehr hier unter uns ist und vermissen ihn sehr. Aber in unseren Herzen lebt er weiter. Auch in unserer Musik. "Ain't No Mountain High Enough" ist ihm gewidmet - wo und wann immer wir es spielen!

Soulverein, im Oktober 2016